Grenzen erweitern – länger tauchen mit Nitrox

Nullzeitgrenzen und Aufsättigung mit Luft und Nitrox

Betrachtet man die Nullzeittabellen für Luft und verschiedene Nitroxgemische ist deutlich sichtbar, dass man mit Nitrox einfach länger tauchen kann – vorausgesetzt die eigene Atmung lässt es zu. Nichtsdestotrotz sättigt man trotzdem mit Stickstoff auf, es dauert halt nur etwas länger. Wenn man die neuen Grenzen des Nitrox ausnutzt, ist der Tauchgang dadurch länger, nicht aber sicherer geworden.
Genau das werden wir uns hier einmal Schritt für Schritt anschauen.

Wir möchten uns hier einen Tauchgang auf 30m anschauen und vergleichen, wie sich der Sicherheitsvorteil darstellt, wenn man statt Luft bei dem selben Tauchgang ein EAN32 benutzt – und auch, wie weit man den Tauchgang dadurch verlängern kann.

Auf dem ersten Bild seht ihr ein typisches Tauchgangsprofil: Direkt auf 30m, dort bleiben bis zur Nullzeitgrenze, langsam hoch, auf 10m noch ein wenig bleiben und dann mit Sicherheitsstopp zurück an die Oberfläche.

Unter dem Profil sieht man die Heatmap für diesen Tauchgang. Daran lässt sich ablesen, welche Gewebe gerade sättigen, welche entsättigen, und wie stark übersättigt sie sind. Die oberste Linie entspricht dem schnellsten Gewebe, die unterste dem langsamsten. Wichtig ist hier der Moment, in dem die Oberfläche wieder erreicht wird. In diesem Beispiel sind die mittleren Gewebe hier an ihrer Sättigungsgrenze (je roter umso grenzwertiger).

Das folgende Schema zeigt exakt den selben Tauchgang, jetzt aber mit einem EAN32. Wie man hier klar sehen kann, kommt man tatsächlich deutlich weniger übersättigt aus dem Wasser, hätte so also seinen Tauchgang sicherer gemacht.

Anders wird die Sache, wenn man das Nitrox nutzt, um die Nullzeit zu verlängern. Zwar kann man in diesem Plan 34 statt 23 Minuten auf 30m bleiben – dafür kommt man aber dann genauso gesättigt aus dem Wasser wie bei dem kürzeren Tauchgang mit Luft. Dieser Tauchgang ist so ganz genau so „riskant“ wie der mit Luft.
Solche Profile kannst du auch selbst erstellen, und zwar mit Subsurface: Subsurface Dive Planner

Was man so alles ausrechnen kann

Natürlich finden wir für alles Tabellen und technische Hilfsmittel. Der Analyzer zeigt die MOD einfach an, EADs können wir aus einer Tabelle ablesen, Apps berechnen uns den Best Mix… Warum also noch selber rechnen?
Vielleicht einfach nur, weil wir es können. Vielleicht aber auch, weil es gut ist, zumindest grob überschlagen zu können, was stimmen kann und was nicht, und wo es gefährlich wird. Die App ist nicht dabei, wenn du unter Wasser entscheidest, ob du jetzt doch noch 2m tiefer riskierst oder echt nicht.
In den nächsten Videos werden wir euch Schritt für Schritt zeigen, wie ihr eure MOD, den Best Mix, und die EAD ausrechnen könnt. Unter jedem Video findet ihr ein paar Werte, um es noch mal selbst nachzurechnen. Die Lösungen dazu gibt es ganz am Ende zum runterladen.

Daltons Diamond – oder: Wie soll ich mir die ganzen Formeln merken?

Wem geht es so ähnlich wie mir: Zu viele Zeichen auf einmal bleiben einfach nicht im Hirn kleben. Braucht man auch gar nicht, wenn man sich den einen wichtigen Zusammenhang merkt…

MOD ausrechnen

Wie tief darf ich mit meiner Mischung? Als Maximum Operating Depth (MOD) bezeichnet man die maximale Einsatztiefe eines Gases, in unserem Fall also die Tiefe, auf der wir einen Sauerstoffpartialdruck (pO2) von 1,4 bar erreichen.

Sobald du verstanden hast, wie es geht, probier es doch mal selbst:

Was ist die MOD von EAN31, EAN 29 und EAN37?

Lösung
pO2 1,4 bar/ pO2 /10+1 MOD
0,31 4,52 35,2 35m
0,29 4,83 48,3 48m
0,37 3,78 37,8 37m

Best Mix auswählen

Du weißt, wie tief du tauchen möchtest, ud hast die freie Wahl, welchen Mix du nutzen willst. Meistens wollen wir dann einen Sauuerstoffgehalt, der uns die längst mögliche Nullzeit ermöglicht, aber trotzdem sicher ist – also den, bei dem wir am tiefsten Punkt des geplanten Tauchgangs 1,4 bar pO2 erreichen. Wie kannst man ausrechnen, welche Mischung dafür ideal ist?

Wenn du es verstanden hast, bust du wieder dran:

Was ist der Best Mix für 28m, 32m und 40m?

Lösung
m Tiefe P = ÷10 + 1 1,4 bar ÷ P Best MIx
28 3,8 0,368 EAN36
32 4,2 0,333 EAN33
40 5 0,28 EAN28

EAD – Equivalent Air Depth

Die Äquivalente Lufttiefe bezeichnet die Tiefe, auf der Luft den selben Stickstoffpartialdruck erreicht, wie eine bestimmte Nitroxmischung auf einer bestimmten Tiefe. Wenn ich mit einem EAN32 auf 30m bin, nehme ich so viel Stickstoff auf, als wäre ich mit Luft auf 25m. Wie kann man das selbst ausrechnen?

Auch das darfst du nach dem Beispiel noch mal selbst ausrechnen:

Was ist die EAD für ein EAN32 auf 30m, für ein EAN36 auf 27m, und für ein EAN29 auf 35m?

Lösung
Tiefe fO2 fN2 PxfN2 EAD
30 4 0,32 0,68 3,44 Bar 24m
27 3,7 0,36 0,64 3 bar 20m
35 4,5 0,29 0,71 4,04 bar 30m