Ist Nitrox sicherer als Luft?

Was ist sicherer: Mehr oder weniger Sauerstoff

Sauerstoff hat Vorteile: Es ist kein Stickstoff – das heißt, wir nehmen weniger Stickstoff auf und haben dadurch längere Nullzeiten. Leider kann eine erhöhte Menge an Sauerstoff unserem Körper auch zu schaffen machen, deshalb sollten wir im Blick behalten, wie lang wir uns einem erhöhten Sauerstoffpartialdruck aussetzen können, und die kritische Grenze von 1,4 bar pO2 nicht überschreiten.
Zum Thema der Sauerstofftoxizität – ab wann ist Sauerstoff giftig? – schauen wir uns noch mal genauer an, wie die Grenzwerte festgelegt wurden und von welchen Risiken wir ausgehen müssen. Danach zeigen wir, wie es in der Praxis funktioniert, den Sauerstoffgehalt einer Flasche zu messen – das sicherste Mittel zur Prävention, das uns zur Verfügung steht. Am Ende sollst du dann selber ein paar Überlegungen anstellen, welche Risiken du in Kauf nehmen würdest und welche nicht.

Sauerstofftoxizität

Als Grundregel haben wir gelernt, einen maximalen Sauerstoffpartialdruck von 1,4 bar nicht zu überschreiten.
In unserem Alltag unter Wasser müssen wir auch nicht viel mehr wissen. Trotzdem ist es aber interessant, etwas genauer zu schauen, welche Formen der Sauerstofftoxizität es gibt, welche davon beim tauchen tatsächlich relevant ist, und mit welcher Art von Risiko wir es eigentlich zu tun haben.

Sauerstoffgehalt messen

Um eine Sauerstoffvergiftung vermeiden zu können, ist das wichtigste, genau zu wissen, was wir atmen.
Dazu ist es unerlässlich, vor jedem Tauchgang mit Nitrox zu analysieren, was in der Flasche ist. Die meisten Analyser sind wirklich simpel – in dem kurzen Video könnt ihr sehen, wie es geht.

Die wichtigsten Punkte noch mal zusammengefasst:
1. Analyzer kalibrieren
2. DICHT an das Flaschenventil anlegen (wenn Luft mit strömen kann, wird das Ergebnis verfälscht)
3. Flasche laaaaangsam aufdrehen
4. Gas strömen lassen, bis sich die Anzeige nicht mehr verändert – wirklich nicht mehr verändert, nicht zu hektisch
5. Ergebnis und MOD aufschreiben und die Flasche markieren
6. Nur die selbst gemessene Flasche tauchen

Wie funktionieren O2-Sensoren?

Glücklicherweise sind die Analyzer wirklich sehr simpel, zeigen einfach eine Zahl an, und alles ist gut. Aber wie genau kommt das Messgerät zu dem Ergebnis? Wie funktioniert der Sensor, mit dem der Sauerstoffgehalt gemessen wird? Wie lange halten die Geräte? Und woran kann man merken, dass sie nicht mehr zuverlässig funktionieren?

Risiken einschätzen

Nicht immer läuft es mit dem Nitrox so, wie man es sich wünscht. Der Analyzer ist feucht geworden oder liegt zuhause, Flaschen werden verwechselt, ein paar Meter unter der MOD liegt ein wunderschöner Schmetterlingsrochen, den man gerne fotografieren möchte….
In welchen Fällen sollten wir uns entscheiden, lieber nicht zu tauchen, und wann kann man seinen Tauchgang so planen, dass er trotz aller Unsicherheiten sicher abläuft?

Dazu ein paar Szenarien zum Nachdenken. Du findest jeweils ein Szenario. Lies es dir durch, denk darüber nach, rechne nach was du dazu brauchst. Dann kannst du in dem pdf Dokument nachlesen. Dort findest du ein paar Entscheidungshilfen, und dann einen Lösungsvorschlag – der in allen Fällen nur eine Möglichkeit darstellt. Die Entscheidung, wie viel Risiko für dich ok ist, triffst nur du selbst.

     

    Szenario 1

    Du bist auf einem Tauchboot, auf dem fast alle Nitrox tauchen. Ein paar Flaschen mit Luft sind aber auch da. Die Membrananlage liefert normalerweise EAN32.
    Leider ist der einzige Analyzer gerade ins Wasser gefallen.
    Gehst du trotzdem tauchen?

    • Unter welchen Umständen ja, unter welchen nicht?
    • Was kannst du tun, damit dein Tauchgang in jedem Fall sicher ist?
    Entscheidungshilfe

    1, Wir sollten sicher wissen, welche Gase auf dem Boot sein können. Wenn das Nitrox mit einer Membrananlage hergestellt wird, können wir von der Crew erfahren, welchen Prozentsatz diese Anlage maximal liefern kann. Mehr als 40% kann es nicht sein, oft werden schon von der Anlage her nicht mehr als 32% erreicht. Wenn allerdings mit reinem Sauerstoff hantiert wird, dann kann es immer passieren, dass doch deutlich mehr als 32% in der Flasche landen. Mit reinem Sauerstoff auf 20m hätten wir einen pO2 von 3 bar – da ist eine Sauerstoffvergiftung extrem wahrscheinlich.
    2. Die maximale Tiefe wird vom Sauerstoffgehalt vorgegeben. Wir sollten sicherstellen, dass wir auf keinen Fall in einen kritischen Bereich kommen. Die Grundzeit wird aber vom Stickstoffgehalt bestimmt – auch die sollten wir im schlechtest möglichen Fall, wenn wir „nur“ Luft in der Flasche haben, einhalten.

    Mögliche Lösung

    1. Wenn Gase mit mehr Sauerstoff an Bord sein können, gehe ich nicht tauchen. Wenn ganz eindeutig klar ist, was technisch maximal möglich ist, gehe ich schon.
    2. Ich nehme die MOD des stärkstmöglichen Gases (40%, oder 32%, oder was die Anlage halt hergibt…), lasse meinen Computer aber auf Luft eingestellt. Dadurch bin ich innerhalb der Nullzeitgrenzen, wenn ich doch Luft erwischt habe, und innerhalb der Tiefengrenzen, wenn ich Nitrox erwischt habe.

    Szenario 2

    Du bist mit deinem Buddy an einem Hang unterwegs, der sich immer weiter in die Tiefe zieht. Ihr habt eine Tiefe von 25m geplant und deshalb ein EAN36 dabei, um schön lange tauchen zu können.
    Als du dich umdrehst siehst du, dass dein Buddy langsam immer tiefer geht. Er sieht dich nicht, und scheint dich nicht wahrzunehmen.
    Wie weit gehst du hinterher?

    Entscheidungshilfe

    1. Hast du die Möglichkeit, ihn auf dich aufmerksam zu machen? Shaker, Tröte, Lampe?

    2. Welchen pO2 erreichst du bei welcher Tiefe?

    3. 1,6 bar pO2 werden regelmäßig auch über längere Zeiträume geatmet, auch 1,8 bar pO2 waren sehr lange Standard.

    4. Es sind keine Fälle bekannt, in denen es in weniger als 5 min Einwirkzeit zu einer O2-Vergiftung gekommen ist

    Mögliche Lösung

    Je früher ich meinen Buddy erwische, um so ungefährlicher ist es für uns beide – ich würde also schnell hinterhergehen und ihn wieder mit hochbringen.
    Bis zu welcher Tiefe? Mit EAN36 erreiche ich bei 40m 1,8 bar, das sollte auf jeden Fall drin sein. Alles danach ist eine sehr individuelle Entscheidung, die mit der eigenen Erfahrung und Können zu tun hat – und damit, in welcher Beziehung man zum Buddy steht. Dafür gibt es keine Musterlösung.