OWD Kurse ausbilden: Ohne Fundament steht nichts

Was genau ist ein OWD?

Der Open Water Diver ist der erste vollwertige Tauchschein und markiert den Übergang vom geführten zum eigenständigen Tauchen. Nach ISO-Norm qualifiziert der OWD als „autonomer Taucher“ – unabhängig vom ausbildenden Verband.

Das bedeutet: Taucherinnen und Taucher dürfen mit einem gleichwertig ausgebildeten Buddy unter vergleichbaren Bedingungen selbstständig tauchen. In der Praxis lässt sich der OWD gut mit einem Führerschein vergleichen: Die grundlegenden Fähigkeiten sind vorhanden, die Teilnahme am Straßenverkehr – oder in diesem Fall am Tauchbetrieb – ist möglich. Gleichzeitig ist klar: Für größere Tiefen, komplexere Situationen oder vollständige Unabhängigkeit braucht es zusätzliche Ausbildung und Erfahrung.

Für uns als Instructor hat das eine besondere Bedeutung: Wer einen OWD in der Hand hält, wird damit in der ganzen Welt tauchen gehen – oft ohne weitere Kontrolle oder Nachprüfung. Alles, was dieser Taucher kann oder nicht kann, was er verstanden hat oder nie gelernt hat, geht auf unsere Ausbildung zurück. Deshalb ist es so wichtig, hier keine Abkürzungen zu nehmen, keine Inhalte zu überspringen und nicht „irgendwie“ durchs Programm zu kommen. Der OWD ist kein Mitmach-Zertifikat, sondern die Grundlage für sicheres, eigenständiges Tauchen – und dafür müssen alle Bausteine wirklich sitzen.

 

Tauchgang auf 30m für 20 Minuten mit Luft, geplant in Subsurface

Kursstruktur: Ein Baukastensystem

Der Open Water Diver Kurs ist so aufgebaut, dass er Schritt für Schritt vom allerersten Atemzug bis zum eigenständigen Taucher führt. Theorie, Training im Pool oder flachen Wasser und die Freiwassertauchgänge greifen ineinander wie gut abgestimmte Bausteine.

Die ersten Stufen, Basic Diver und Scuba Diver, sind Teil des OWD – aber sie stehen für ganz unterschiedliche Erfahrungsstufen.
Ein Basic Diver hat gerade die absolut überlebenswichtigen Grundlagen gelernt: sicher atmen, sich bewegen, ein paar einfache Probleme lösen. Mehr noch nicht – er taucht immer eng betreut.
Der Scuba Diver kann schon mehr, die Grundlagen sitzen, er bewegt sich sicherer, weiß, was er tut – aber auch hier ist die Begleitung durch einen Pro Pflicht.

Erst im Open Water Diver kommt alles zusammen: Tauchgangsplanung, erweiterte Tarierung, Notfallübungen. Die Ausbildung wird vollständig, und der Taucher ist wirklich bereit, mit einem gleichwertig ausgebildeten Buddy eigenständig zu tauchen.

Die Logik hinter dem OWD-Kurs

Das OWD-Logik-Tool zeigt dir, welche Inhalte in Basic Diver, Scuba Diver und OWD stecken – und wie sie aufeinander aufbauen.

OWD-Logik-Tool öffnen

Theorie unterrichten im OWD

Die Theorie im OWD ist mehr als ein Pflichtteil, sie ist die Grundlage dafür, dass deine Schüler verstehen, was sie tun. Das Kursmaterial steht ihnen jederzeit zur Verfügung, und sie können sich die Inhalte in ihrem eigenen Tempo erarbeiten. Deine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass sie das auch tun.

Den Fortschritt kannst du sehen, wenn du Zugriff auf den Schüler-Account hast. Dafür muss dich das Center freischalten. Nutze diese Möglichkeit, um einen Überblick zu behalten, welche Kapitel wirklich bearbeitet wurden, und sprich es an, wenn etwas fehlt.

Ein großartiger Vorteil im SSI-System ist, dass die ersten drei Kapitel direkt nach der Registrierung kostenlos lesbar sind – ganz ohne Zahlung. Damit ist der wichtigste Teil der Theorie schon vor dem eigentlichen Kurs machbar. Den Rest können die Schüler auch noch im Urlaub lesen, oder sie buchen das Kit vorab. Welche Variante sie wählen, ist nicht entscheidend – wichtig ist, dass der Kern verstanden wird, bevor es ins Wasser geht.

Die Frage ist dann: Was muss man im Kurs selbst noch an Theorie unterrichten? Wir üben im ITC in Form von Microteachings, wie man Theoriepräsentationen in einem Klassenzimmer aufbaut, aber das ist längst nicht mehr die gebräuchlichste Form. Denk darüber nach, wie du besonders wichtige Inhalte gezielt in den Kurs einbauen kannst, ohne daraus lange, ermüdende Unterrichtseinheiten zu machen.

Manche Dinge lassen sich sehr gut in praktische Übungen integrieren. Ein Workshop zur Tauchgangsplanung bietet die Möglichkeit, Wissen einzubringen, das über den OWD hinausgeht. Hier kann man z.B. die Rock-Bottom-Gasberechnung einbringen und von Anfang an eine ausbaufähige Form der Gasplanung einführen statt einer schwer verständlichen Faustregel. Beim Thema „Computer verstehen“ lohnt es sich, gleich zu Beginn Zeit zu investieren, damit die Schüler wissen, was sie da am Handgelenk tragen. Beim Zusammenbauen der Ausrüstung kann man schon ein paar Worte darüber verlieren, wie die Teile funktionieren. Und wenn wir im OWD einen Buddy Check trainieren, der schnell und nicht lästig ist, erhöhen wir die Chancen, dass er später auch weiter gemacht wird.

Wenn wir Skills erklären, können wir da immer wieder physikalische Grundlagen wie das Gesetz von Boyle einbauen, zum Beispiel in den Tarierübungen. So bleibt es nicht ein isoliertes Theorie-Kapitel, sondern wird im Kontext erlebbar. Kleine Workshops, eingebettet in den praktischen Teil, bleiben besser hängen als jede Folienpräsentation.

 

Workshop Ideen

Wie kannst du Theorie in deinen OWD Kurs einbauen?

Der Weg der Luft aus der Flasche in die Lunge

Beim ersten Zusammenbau der Ausrüstung lassen sich die grundlegenden Funktionen gut erklären. uch wenn alles im Manual erklärt wird: Ohne es wirklich gesehen und angefasst zu haben, ist es ganz schwer, sich solche Dinge zu merken. Wir können diesen Moment nutzen, um am Regler zu zeigen, wo welcher Druck herrscht und warum immer genau das, was wir brauchen, bei uns ankommt.

Was bedeutet "downstream" beim Atemregler?

Wenn du erklärst, wie man aus einem abblasenden Automaten atmet, ist es sinnvoll kurz das Prinzip “downstream” zu erklären: Der Regler öffnet mit dem “Luftfluss”. Wenn es zu einer Fehlfunktion kommt, bleibt nicht plötzlich die Luft weg, sondern es kommt zu viel. Das haben alle im Kursmaterial schon gelesen, aber wahrscheinlich nicht gemerkt – hier ist der Moment, um zu zeigen, warum diese Information so wichtig ist.

Tauchgangsplanung ganz simpel

Beim Freiwassertauchgang 2 kann man schon mal einen ganz einfachen Tauchgangsplan ins Briefing einbauen: Die Tabelle zeigen und kurz erklären, was eine Nullzeitgrenze ist. Feststellen, das an die auf 12m nicht erreichen wird. Dann darüber reden, wie weit unser Gasvorrat reicht, und einführen, mit wie viel bar man am Sicherheitsstop sein möchte. Empfehlung: Hier einfach planen, mit 70 bar zurück auf 5m zu sein – aber gerne danach noch ein bisschen weiter den Bereich im Flachen erkunden.

Wie funktioniert der Computer?

Ja, rtfm – aber wer liest schon das Manual zu einem Leihcomputer? Ganz am Anfang ist s wichtig, die grundlegenden Anzeigen zu verstehen, die jeder Computer hat. Geh die mit deinen Schülern durch und lasse sie selber suche, wo sie welche Information finden. 
Beim ersten Freiwasser-Tauchgang muss es vielleicht noch kein Computer sein, aber ab dem zweiten sollte er dabei sein. Beim zweiten einfach mal am Am haben und Tiefe und Nullzeit ablesen können, danach gemeinsam die Daten fürs Logbuch aufrufen und weitere Funktionen anschauen, und ab dann nutzen und weitere Fragen klären kann ein gutes Konzept sein.

AMV ausrechnen

Man lernt im Manual, was das AMV ist und wie man es ausrechnet, aber niemand, wirklich niemand hat das je aus dem Manual verstanden. Deshalb macht es Sinn, beim Logbuch schreiben auch die mittlere Tiefe aus dem Computer zu holen und das AMV auszurechnen. Manuell, oder direkt in der SSI App, oder hier: AMV Rechner

Tauchgangsplanung OWD: ausbaufähig

Vor den letzten Freiwassertauchgängen sollte eine gemeinsame Tauchgangsplanung stattfinden, bei der man Nullzeitgrenzen, Gasgrenzen und Notfallregeln bespricht. Das ist ein guter Moment, um ein paar Hinweise in Richtung Dekotheorie zu geben und für die Gasplanung das Rock Bottom Konzept einführen kann – das ist einfach genug, sorgt oft für aha-Momente, und ist für die komplette weitere Tauchkarriere nutzbar. Nimm dir für diesen Workshop etwas Zeit und lass deine Schüler nicht blind einem Guide folgen!

OWD Kurse: Die Praxis ausbilden

Im ITC üben wir die Grundlagen, die du brauchst, um OWD-Schüler in der Praxis auszubilden. Dabei arbeitest du mit einem vorgegebenen Skill, bereitest dazu ein Briefing vor, demonstrierst die Übung im Wasser, erkennst Fehler, korrigierst sie, hältst die Gruppe unter Kontrolle, sorgst für Sicherheit und führst am Ende ein Debriefing durch. Die „Schüler“ in dieser Trainingssituation sind andere Instructor-Kandidaten, die Anfänger nur spielen und genau die Fehler machen, die im Szenario vorgesehen sind. Das schafft eine kontrollierte Umgebung, in der du Technik, Ablauf und Sicherheit üben kannst, ohne dass Unvorhergesehenes passiert.

Wie genau das abläuft, wirst du im Praxisteil deines ITCs lernen, genau das geht nun wirklich nicht online. Aber du kannst dir schon mal ein paar Gedanken darüber machen, wie du aus den einzelnen Teilen am Ende zu einem kompletten OWD Kurs kommen kannst. Auch das wird im ITC intensiv besprochen, aber die Vorbereitung macht es dir einfacher.

In der Realität sieht deine Aufgabe nämlich anders aus als im Training: Du musst nicht nur einzelne Skills unterrichten, sondern sie zu einem funktionierenden Kurs zusammenfügen. Es geht darum, einen sinnvollen Ablauf zu planen, der Theorie, Pool und Freiwasser logisch verbindet und dabei alle OWD-Skills vollständig abdeckt. Dafür kannst du einfach den SSI Cue Cards für den Kurs folgen – du darfst den Ablauf aber auch teilweise an deine Umgebungsbedingungen und deine Schüler anpassen. Um das souverän zu machen, muss man die Möglichkeiten wirklich gut kennen. Wir werden im ITC verschiedene Kurspläne diskutieren, die du mit dem OWD-Planner vorbereiten kannst (siehe Kasten)

Aber Planung allein reicht nicht. Im echten Kurs reagieren Schüler oft anders, als man es im Training erlebt – und nicht immer so, wie man es erwartet. Hier zahlt es sich aus, wenn du vorher schon Kurse assistiert oder als Assistant Instructor teilweise ausgebildet hast. Wer schon echte Anfänger im Wasser erlebt hat, kann ihr Verhalten besser einschätzen, reagiert gelassener und kann flexibel anpassen, ohne die Kursziele aus den Augen zu verlieren. 

OWD-Kurse planen

Mit unserem Kursplaner kannst du in Ruhe am PC überlegen, in welcher Reihenfolge du die Übungen auf die Tauchgänge verteilen willst. Dabei wählst du die Anzahl der Tauchgänge und die unterschiedlichen Gewässer (Pool, Begrenztes Freiwasser, Freiwasser)
Ob dein Plan so den Standards entspricht, solltet ihr im ITC oder unter Kollegen gemeinsam überprüfen!

OWD-Kursplaner öffnen

Torre de Malpique - der Turm

Punkfish Academy

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner