Ob auf Facebook, in Foren, beim Einchecken in der Basis oder am Tauchstammtisch: Immer wieder geht es unter Tauchers um die Frage, wer denn eigentlich wie tief tauchen darf.
Tauchen dürfen? Grundsätzlich ist niemandem das Tauchen verboten, und so darf auch erst mal jede:r überall einfach tauchen.
Grundsätzlich. In manchen Ländern stimmt das nicht.

Wer kann das bestimmen?

Länder und ihre Gesetze sind die einzigen, die für alle verbindliche Regeln setzen und auch durchsetzen können. Deshalb ist der erste Schritt der Blick darauf, wie das Tauchen in dem Land, in dem wir uns aufhalten, reguliert ist.
Für Deutschland ist das sehr einfach: Gar nicht. Punkt. Geregelt ist einzig auf Ebene der Bundesländer, ob tauchen in öffentlichen Gewässern grundsätzlich erlaubt ist oder nicht. Sonst nichts.
In anderen Ländern wie Spanien oder auch Ägypten ist das Tauchen gesetzlich geregelt. Wer sich daran nicht hält, begeht üblicherweise eine Art Ordnungswidrigkeit – so was wie zu schnell fahren. Wenn man sich erwischen lässt, kann es sein, dass man eine Strafe zahlen muss. Kalkuliert man ein und macht es trotzdem oder lässt es bleiben.
Wenn dabei etwas passiert, spielt das bei der Bewertung der Lage für die Justiz eine Rolle. Welche genau lässt sich nicht so klar vorhersagen – ihr wisst ja, vor Gericht und auf hoher See… Aber: Es sitzen nicht haufenweise Taucher im Knast, deren Buddy oder Schüler einen Unfall hatte.

Wenn es aber kein Gesetz gibt, in dem das Tauchen selbst geregelt wird – dann darf man erst mal tun, was man will. Was dann eine Rolle spielt, sind folgende Dinge:

Hausrecht am See: Wer einen See “betreibt”, muss dabei für ein gewissen Maß an Sicherheit garantieren. Manche Betreiber entscheiden sich deshalb, Regeln zu machen. Die muss man befolgen, sonst darf man nicht mehr wiederkommen. (Eigentlich wie bei jedem Besuch irgendwo…)

Hausrecht einer Tauchbasis: Tauchbasen brauchen in verschiedenen Ländern unterschiedliche Papiere, müssen aber immer in irgend einer Form nachweisen, dass ihre Aktivitäten sicher sind. Dafür werden sich einige Tauchbasen entscheiden, Regeln aufzustellen. Die müssen befolgt werden, wenn man noch länger dort tauchen will.

Du siehst also – eine richtig starre Tiefengrenze gibt es nicht. Was es aber gibt, sind Empfehlungen, die auch oft sehr gut begründet sind. Diese Empehlungen sollte man kennen, ernst nehmen und dann eine Entscheidung treffen, zu der man stehen kann. Darüber, wie tief man selbst tauchen möchte, und darüber, wie tief man andere unter welchen Bedingungen mitnimmt.

Welche Empfehlungen gibt es?

Wenn wir selber in der Verantwortung sind, eine vernünftige Entscheidung zu treffen, lohnt sich der Blick auf Empfehlungen, und welche Qualität sie haben.

Den Status einer solchen Empfehlung, die generell weit anerkannt ist, haben ISOs – Normen, die einen gewissen akzeptierten Standard setzen. Sie sind kein Gesetz, sie sind nur verbindlich für diejenigen, die sich verpflichten, sie einzuhalten. Also: Wenn ein Tauchverband einen Kurs nach einer bestimmten ISO anbietet, muss sein Kursprogramm alles erfüllen, was sie ISO vorsieht. Wenn nicht – na ja, dann erfüllt man halt nicht die ISO.

Und dann git es die Standards der Verbände. Diese regeln die Tauchausbildung innerhalb eines Verbandes, halten sich üblicherweise an ISOs, und setzen Limits während der Ausbildung. Für danach finden sich in den Standards üblicherweise Tiefenempfehlungen, aber die Verbände stehen weit unter jedem Gesetz und auch unterhalb der ISOs. 

ISO? Was geht mich das an?

Die ISO Standards liefern einen Rahmen, der als sichere Qualität anerkannt wird. Ursprünglich als Industrienorm entwickelt (ach wie schön, wenn ein Stecker in den Anschluss passt!) wurden sie auf Ausbildung, Qualitätssicherung und vieles andere übertragen. Sie liefern deshalb auch Regeln für das Tauchen, denen sich alle Verbände im RSTC, dem CMAS und einige andere verpflichtet haben.
Für das Sporttauchen sind die wichtigsten Normen folgende:

ISO 24801-1: Supervised Diver

Das kleinste Level, dem der “Scuba Diver” einiger Verbände entspricht, ist der Level 1 – “Supervised Diver”
Mit diesem Brevet muss man von einem Profi begleitet werden, und es wird empfohlen, nicht tiefer als 12m zu gehen.
Der Profi muss immer nah genug sein, um jederzeit physischen Kontakt herzustellen.
Ein Scuba Diver darf langsam seine Fähigkeiten weiterentwickeln, um die nächste Qualifikation zu erreichen.

ISO 24801-2: Autonomous Diver

Ein autonomer Taucher sollte mit ähnlich ausgebildeten Buddys auf dem Level seiner Erfahrung ohne Tauchlehrer tauchen können. Das heißt, mit einem anderen OWD bis 20m – aber mit einem erfahreneren Taucher darf man sich langsam weiter entwickeln.
Von der Brevetierung an sollte er/sie sich langsam weiter entwickeln, um tiefere und anspruchsvollere Tauchgänge durchführen zu können. Wie beim Führerschein: Man darf jetzt alleine Auto fahren, hat aber echt noch so was von keine Erfahrung!

ISO 24801-3: Dive Leader

Dive Leader dürfen andere Tauchern zu Tauchgängen mitnehmen, bei denen sie sich selbst sicher fühlen. Also: Innerhalb der eigenen Fähigkeiten, und je weniger die Gruppe kann, um so weiter bleibt man von den eigenen Grenzen weg.

Was sagen die Verbände?

Tauchverbände wie SS, PADI, TDI/SDI, CMAS etc. legen Regeln fest, nach denen innerhalb ihres Verbandes ausgebildet wird. Diese Regeln folgen üblicherweise der ISO, setzen aber in den dort nicht geregelten Teilen eigene Akzente.

Für alle Tauchgänge, die außerhalb der Ausbildung stattfinden, sprechen Verbände Tiefenempfehlungen aus. Diese Empfehlungen sind keine starren Grenzen, sondern können sich mit weiterer Ausbildung oder Erfahrung (!) verändern.

Was hier für Verwirrung sorgt ist die Tatsache, dass die verschiedenen Stufen ganz unterschiedliche Namen haben. Und das ist auch logisch: Bei allem, was zwischen dem Autonomous Diver und dem Dive Leader liegt, gibt es keine allgemeingültigen Normen. Erst sollte man bei 20m bleiben, irgendwann gilt dann die Grenze des Sporttauchens mit ihren 40m, und das ist nun keine starre Grenze, kein Gesetz. “40m sind genug” heißt eben nicht “Bei 42m stirbst du”, und das wissen doch einige von uns.
Wie kommt man also von den 20 zu den 40m? Auf diesem Spielplatz tummeln sich die Kärtchenerfinder der Verbände.

Irgendwann hat sich hier eingeschlichen, “Advanced” mit “30m” gleichzusetzen. Viele Tauchbasen handhaben das auch genau so – ohne irgendeinen “Advanced” blibt man in der Anfängergruppe – aber wer die Karte hat, wird fast schon automatisch mit auf 30m genommen. Die Grundlage dafür? Eigentlich keine.
Üblicherweise bieten alle Verbände eine Form von “Erfahrungsnachweis mit Tauchlehrer” für die 30m an, und eine getrennte Brevetierung für 40m. Der CMAS verlangt für den zweiten Stern mindestens 10 Tauchgänge zwischen 20 und 40(!)m, hat aber auch die ein oder andere Sonderregel für tiefer als 30.
Um das Chaos etwas zu sortieren, hier mal die Äquivalenzen der gängigsten Verbände. 

Äquivalenzen von Tauchbrevets & empfohlene Tiefengrenzen

Level SSI (Tiefe) PADI (Tiefe) CMAS (Tiefe) ISO-Standard
Einsteiger
(Supervised)
Scuba Diver (12 m) Scuba Diver (12 m) ISO 24801-1
Supervised Diver (12 m)
Autonom
Grundstufe
Open Water Diver (18 m) Open Water Diver (18 m) CMAS * (20 m) ISO 24801-2
Autonomous Diver (18 m)
Fortgeschritten Advanced Adventurer (bis 30 m)¹ Advanced Open Water Diver (30 m) CMAS ** (30 m)
Tiefes Sporttauchen Deep Diving Specialty (40 m) Deep Diver Specialty (40 m)
Leadership Divemaster Divemaster CMAS *** ISO 24801-3
Dive Leader

Hinweise:
¹ Beim SSI Advanced Adventurer ist der Deep Dive nicht automatisch enthalten. Ob Erfahrung bis 30 m gemacht wurde, hängt davon ab, welche Tauchgänge tatsächlich absolviert und auf dem Brevet eingetragen sind.
– Der SSI „Advanced Open Water Diver“ ist ein Anerkennungsbrevet (keine Tieftauchausbildung notwendig).
– CMAS ** kann je nach nationalem Verband bis 40 m erweitert werden.
– CMAS *** und ISO Dive Leader beschreiben v. a. Führungs- und Rettungskompetenzen, nicht primär Tiefengrenzen.
– Lokale Gesetze, Center-Regeln und Versicherungsbedingungen haben immer Vorrang.

Die Logik hinter den Grenzen

Viel wichtiger als die Frage, was man “darf”, ist doch eigentlich, was gerade sinnvoll ist. Die Tiefengrenzen folgen einer Logik, die mit den Fähigkeiten der Taucher:innen zu tun hat: Welche Tiefe ist für jemanden mit diesen Fertigkeiten noch sicher?
Hier mal ein paar ganz sachliche Überlegungen dazu – im letzten Abschnitt geht es dann noch mal viel individueller um genau diese Frage.
Alle sind sich einig, dass man bis 5m unter kontrollierten Bedingungen zusammen mit einem Tauchprofi tauchen üben und tauchen kann. Klar – man muss es ja lernen. Dafür ist ein Pool oder ein geschützer Bereich, eben confined water, ziemlich gut.
Alle sind sich einig, dass man vor einem Tauchgang im Freiwasser bis 12m mindestens mal die Maske ausblasen, den Regler wiedererlangen, den Octopus vom Tauchlehrer annehmen une leidlich schwimmen können muss.
Dann muss man Dinge lernen: Einige reichen für den Scuba Diver, für den OWD muss man etwas mehr können und wissen. Und dabei gibt es sinnvolle Grenzen bei 12 und 18m.
Bis 12m ist der Bereich, der in der ISO als Supervised Diver abgedeckt wird. Man lernt dafür die Grundlagen – etwas tarieren, dem Partner Luft spenden, auch am Octopus auftauchen, Maske abnehmen, und noch ein paar mehr grundlegende Fertigkeiten. Das reicht, um in flachem Wasser einem Guide hinterherzutauchen, der im Zweifel ein bisschen helfen kann und die Kontrolle behält. Und falls etwas nicht ok ist, kann man in der Tiefe notfalls auch mal ohne Sicherheitsstopp nach oben, ohne dass gleich große Gefahr droht.
Für den vollen autonomen Taucher und die 18m fehlen noch zwei relevante Dinge: Tauchgangsplanung und Partnerhilfe (und Notaufstiege, aber über die reden wir mal getrennt…). Und dann macht man da noch ein bisschen mehr: ganz grundlegende Navigation, Boje setzen, mal das Jacket und Blei unter Wasser ausziehen. An Theorie lernt man eigentlich sehr viel – aber: wie viel davon wirklich hängenbleibt und nach einem Jahr noch da ist? Auf jeden Fall sollte man ein Level erreichen, auf dem man verstanden hat, dass langsame Aufstiege echt wichtig sind, Sicherheitsstopps eine wirklich gute Idee, und man sollte nicht wegen einer vollgelaufenen Maske an die Oberfläche schießen. 

Mit dem Level ist man eigentlich voll augebildet, “darf” auf 20m (oder halt 18 für die, die in 60 Fuss denken). Alle sind sich einig, dass für Anfänger 20m auch erst mal genug sind.  Aber wie dann weiter?
Der Unterschied von 20 nach 30 ist durchaus relevant. Während auf 20m der Tauchgang für fast jeden vorbei ist, weil man mit dem Atemgas an eine Grenze kommt, werden auf 30m die Nullzeitgrenzen tatsächlich relevant. Dort können einige mit einer Flasche die Nullzeitgrenze erreichen und trotzdem noch genug zu atmen haben. Deshalb muss man an diesem Punkt das, was man im OWD über Dekompression gelernt hat, noch mal auffrischen und diese Grenzen verstehen. Und man sollte nicht mehr fröhlich vor sich hintauchen, bis man 70 bar hat und dann aufsteigen – auf 30m reicht das als Minimum Gas wirklich nicht mehr aus (Rock Bottom – ein wichtiges Thema). Man befindet sich aber in einem Bereich, in dem noch sehr viele ganz reguläre Tauchgänge stattfinden, und so lange mn das mit dem wirklich ausreichenden Gasvorrat im Blick hat, sind die Risiken überschaubar. Langsam hoch, Sicherheitsstopp, die letzten Meter noch langsamer – und Probleme werden unter Wasser gelöst. 
Die 40m sind dann noch mal ein anderer Schnack. Hier beginnen Menschen, den Tiefenrausch zu spüren, einige werden dabei ein wenig leichtsinnig, und das bei ganz schnell kürzer werdenden Grenzen. Ein relevantes Problem ist in der Tiefe nicht mehr ganz so einfach zu lösen, weil das Hirn nicht so gut funktioniert wie im Flachen. Und wenn ein wenig Anstrengung dazukommt, kann die Dichte des Atemgases auch mal dazu führen, dass man meint, nicht mehr gut Luft zu kriegen – ein wirklich nicht angenehmes Gefühl in der Tiefe. Hier spielen so viele Faktoren mit, dass es wirklich sinnvoll ist, diese Tiefe ernst zu nehmen und sicherzustellen, dass man mit allen grundlegenden Fertigkeiten und der Partnerhilfe wirklich souverän klarkommt, und auch die Theorie dazu verstanden hat. Dass für diese Tiefe ein eigenes Training angeboten wird, macht also durchaus Sinn.

Und was passiert bei einem Unfall?

Wenn man dem Facebook-Expertenchor glauben mag, dann ist eigentlich jeder Taucher, der mal ein paar Meter tiefer geht als sein Brevet, direkt mit einem Bein im Knast. Und ewige Verdammnis droht, wenn man dabei auch noch eine Garantenstellung hat und dem anderen etwas passiert.
Aber, nun ja: Es landen nur extrem wenige Tauchunfälle überhaupt vor Gericht und enden in der Regel mit Freisprüchen oder vergleichsweise milden Urteilen. Panik in diese Richtung ist also nicht angebracht.
Trotzdem ist mal als Tauchteam eine Gefahrengemeinschaft. Man setzt sich gemeinsam einem höheren Risiko aus als beim nachmittäglichen Kaffeeklatsch, und vor allem: Man taucht in einem Team, in dem man sich versprochen hat, bei Problemen zu helfen. Das führt zu gewissen Verpflichtungen, den anderen zu helfen.

Garantenstellung eines Buddys: Du bist beim Tauchen wie auch überall sonst verpflichtet, anderen Menschen, die in Gefahr sind, zu helfen. Dafür solltest du deine eigene Sicherheit nicht aufs Spiel setzen, aber alles tun, was du kannst. Wenn du deinem Buddy mal helfen musst, kommt es nicht so sehr darauf an, ob du einem konkreten Protokoll folgst, sondern darum, dass du tust, was du eben kannst – deiner Ausbildung und Erfahrung entsprechend. Wenn du alles getan hast, was du eben kannst, hast du dein Bestes gegeben, und niemand wird dich belangen. Auch dann nicht, wenn ihr beide nur den OWD habt und ihr auf 23m wart. 

Garantenstellung von Profis: Wer als Tauchprofi mit Anfängern im Wasser ist, muss sicher sein, dass er alle wohlbehalten wieder an Land bringen kann. Wenn man das nicht schafft, muss man sich der Frage stellen, ob man es hätte verhindern können. Man hat in der Position eine andere Verpflichtung, und es wird erwartet, dass man mehr tun kann, um jemandem zu helfen. Man ist aber nicht automatisch an allem schuld, weil man in einer privaten Tauchgruppe höher brevetiert ist als der andere.

Es gibt tatsächlich in der bekannten Rechtssprechung weltweit nicht einen Fall, in dem vor Gericht die Tiefe und das Brevet eine relevante Rolle gespielt haben. Wer doch einen kennt, darf ihn mir gerne schicken… Die Frage, ob jemand schuldhaft einem anderen Schaden zugefügt hat, hängt nämlich gar nicht daran, ob auf einer Karte AOWD, ** oder was auch immer steht, sondern ob Bedingungen und Erfahrung der Taucher den Plan als halbwegs vernünftig erscheinen lassen. 

Aber die Versicherung!

Grundsätzlich versuchen Versicherungen ja gerne, nicht zahlen zu müssen. Allerdings sind sie auch daran interessiert, dass man sich bei ihnen versichert – und das werden viele nicht mehr tun, wenn zu viele Fälle bekannt sind, in denen Leistungen verweigert wurden.
Gerade bei Tauchversicherungen, die man ja extra bezahlt, um Unfälle bei einem eigentlich recht sicheren Sport abzusichern, ist der Ruf enorm wichtig. Dezidierte Tauchversicherungen (bzw. Versicherungsvermittler) wie aquamed oder DAN sind daran interessiert, dass möglichst viele sich freiwillig bei ihnen versichern – und das gelingt nur dann, wenn ihr Ruf gut genug ist. Deshalb kann man grundsätzlich bei Tauchversicherungen davon ausgehen, dass ihre Zahlungsbereitschaft tendenziell von Kulanz geprägt ist. Sie tun ab und an auch Dinge, die über den Versicherungsschutz im engeren Sinne hinausgehen, und wollen, dass genau das über sie bekannt ist.

Tauchversicherungen versichern erst einmal die Aktivität. Sie setzen dabei besimmte Grenzen, aber was sie nicht tun ist sich in Ausbildung und Brevets einzumischen.

Sehr lesenswert ist der Abschnitt über “Tauchtechnik” in den FAQs von aquamed. Hier wird kein Brevet, keine CE, nichts dergleichen gefordert – nur, dass man sich nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig über Empfehlungen hinwegsetzt. 
Ein paar Meter tiefer ist dabei ganz sicher nicht grob fahrlässig – mit einer Monoflasche mit Luft und ordentlich Restalkohol auf 80m zu rauschen eher schon. Und das auch dann, wenn man ein Brevet für 80m hat – oder sogar gerade dann, weil man dann weiß, wir dumm das ist, während der unerfahrene OWD es bei Überleben zumindest noch als Dummheit und damit eventuell trotzdem versichert ausgeben könnte.

Wichtig ist allerdings, genau in die Versicherungsbedingungen zu schauen, vor allem dann, wenn es nicht einer der großen Tauchversicherer ist. Viele Reiseversicherungen haben nur Tauchgänge bis 30m inkludiert, und die meinen das dann auch so. Bekannte Fälle von verweigerten Leistungen haben sehr oft etwas mit solchen Versicherungen zu tun.

Und wie tief darf ich jetzt?

Die Frage ist doch eigentlich gar nicht, was du darfst, oder? Die Frage ist, was du willst und was du verantworten kannst.

Je tiefer der Tauchgang, um so weiter ist der Weg zur Oberfläche – und um so sicherer muss man sein, dass man trotzdem sicher hoch kommt. Und das auch dann, wenn etwas schiefgeht. Wir haben ja schon gesehen, dass das Ausbildungssystem da eigentlich sehr logisch strukturiert ist und die Tiefenempfehlungen Sinn machen. Was keinen Sinn macht, ist die Grenzen stur an Brevets zu knüpfen und nicht an die tatsächlichen Fähigkeiten.
Viele Taucher mit Deep-Brevet erwarten, dass sie jetzt automatisch ständig bei den tiefen Tauchgängen mitdürfen. Aber wenn sie nur ein mal im Jahr im Urlaub ein paar Tauchgänge machen, haben sie da unten nichts verloren. Viele Tauchbasen weigern sich, Leute mit OWD oder * tiefer als 18m zu nehmen, völlig unabhängig von ihrer Erfahrung. Wenn sie gleichzeitig Taucher mit 9 Tauchgängen und AOWD sehr wohl mitnehmen, kann das zu Diskussionen führen.
Also, was?
Eigenverantwortung jedes Einzelnen: Nur weil du mal einen Kurs gemacht hast, heißt das nicht, dass du jetzt alles kannst. Für tiefe Tauchgänge brauchst du Routine und Erfahrung. Überlege, ob du dir den geplanten Tauchgang wirklich zutraust – frag dich einfach, ob du ihn mit deinem Buddy ohne Guide auch machen würdest. Wenn nicht, ist es vielleicht besser, etwas vorsichtiger zu sein.
Verantwortung des Guides: Taucher, die man noch nicht kennt, nimmt man am besten erst mal auf einen einfachen Taucgang mit – 20m können es schon sein, aber am besten mit der Option, doch flacher zu bleiben, wenn das alles gar nicht gut aussieht… Und zwar auch dann, wenn sie mit allerhöchsten Weihen ausgestattet sind und das Supertiefbrevet vom Herrgott persönlich ausgestellt bekommen haben. Wenn man die Leute dann kennt, ihren Luftverbauch einschätzen kann und weiß, wie sie tauchen, kann man darauf basierend entscheiden, wie tief man sich mit ihnen traut. Dabei spielt das Brevet dann schon auch eine Rolle: Mit einem OWD mit nur 10 Tauchgängen auf 40m zu gehen, weil er so gut im Wasser liegt, wäre sicher nicht angemessen. Aber auf 25, damit er langsam Erfahrung für die nächsten Schritte sammeln kann – klar. Das ist NICHT grob fahrlässig, und das ist beim Blick über Verbandsgrenzen hinweg auch genau der übliche Weg.

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