Die Sonne ist heiß, man ist voll aufgerödelt – jetzt noch mal aneinander rumfummeln? Besser nicht.
Ein Buddy-Check sollte aber trotzdem sein.
Buddy Check beim Tauchen – unverzichtbar, nicht nur Theorie
Der Buddy Check, oder allgemeiner gesagt: der Sicherheitscheck im Team vor dem Abtauchen, ist eigentlich ein Standard. Er wird von allen Verbänden, in allen Kursen und auf allen Levels gelehrt. Trotzdem sieht die Realität am Tauchplatz oft anders aus.
Warum? Weil es angeblich zu lange dauert. Weil es heiß ist, man schnell ins Wasser will, oder weil man überzeugt ist, das eigene Equipment schon gründlich geprüft zu haben. Weil man immer mit denselben Leuten taucht und meint, sich blind verlassen zu können. Oder weil der Guide drängt, die Gruppe ungeduldig wird und der Check einfach untergeht.
Doch was kann passieren, wenn man diesen Schritt auslässt? Im harmlosen Fall ist es nur lästig – etwa wenn das Blei fehlt und man gar nicht erst abtauchen kann. Ärgerlich, aber nicht lebensgefährlich. Anders sieht es aus, wenn die Flasche nur eine halbe Drehung aufgedreht ist. In flachen Bereichen merkt man davon nichts, in 30 Metern Tiefe kommt plötzlich kaum noch Luft. Oder wenn der Flaschengurt nicht richtig sitzt und die Flasche im ungünstigsten Moment nach unten rutscht. Genau das soll der Buddy Check verhindern.
Mein Ansatz für den Buddy Check
Ich mag kein übertriebenes Gefummel am anderen. Für mich muss es schnell gehen, klar strukturiert sein und so einfach, dass es wirklich jedes Mal gemacht wird – und nicht nach ein paar Tauchgängen wieder einschläft.
Jede:r prüft in erster Linie das eigene Equipment, zeigt es aber den anderen. So sieht das Team auf einen Blick, dass alles in Ordnung ist, ohne dass jemand ungefragt an Schnallen oder Ventilen herumdreht. Alle machen das gleichzeitig, und innerhalb von ein bis zwei Minuten ist die Sache erledigt.
Die Kernelemente sehen so aus:
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Tarierung – Jacket aufblasen, Luft ablassen, Schnellablässe testen.
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Blei – korrekt positioniert im Gürtel oder Jacket, Zusatzblei dabei?
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Schnallen & Gurte – alles geschlossen, symmetrisch und fest, Flaschengurt wirklich stramm.
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Luft – aus beiden Reglern atmen, dabei aufs Finimeter schauen – die Nadel darf sich nicht bewegen.
Flasche ganz auf – aber locker
Ein Klassiker sorgt immer wieder für Diskussionen: Soll man die Flasche ganz aufdrehen oder ein Stück zurück? Manche glauben, man müsse eine Vierteldrehung zurückdrehen, damit sich das Ventil nicht „verklemmt“, und oft wird das auch so gelehrt. Technische Taucher:innen hingegen kennen nur zwei Zustände: Flasce ganz auf, oder Flasche ganz zu. Und das aus guten Gründen.
Meine Empfehlung ist eindeutig: Die Flasche gehört ganz aufgedreht – und zwar locker. Nicht mit Gewalt festziehen, sondern so, dass man am Ende noch einmal leicht am Rad wackeln kann. Damit stellt man sicher, dass sich nichts klemmt und dass die Flasche wirklich offen ist.
Warum das so wichtig ist? Weil eine nur halb aufgedrehte Flasche im Flachwasser unauffällig bleibt, aber in der Tiefe plötzlich nicht mehr genug Gas durchlässt. Das kann im Ernstfall wirklich gefährlich werden. Sehr gut erklärt findet man in dem Artikel “Old habits die hard” im Divers Alert Network (DAN).
Buddy Check im technischen Tauchen
Im technischen Tauchen – etwa in der Höhle oder mit komplexer Ausrüstung – wird der Buddy Check noch ernster genommen. Dort geht es nicht nur darum, dass alles sitzt, sondern auch darum, dass wirklich jede:r weiß, was die anderen dabei haben und wie es funktioniert.
Dazu gehört eine Art „Equipment Matching“: Longhose frei, Haupt- und Backuplampen getestet, Messer und Ersatzmaske gezeigt, Wetnotes, Computer und Kompass, Cookies, Reels, Spools – alles wird vorgeführt und überprüft. Ebenso wichtig ist die letzte Wiederholung des Tauchplans: Gasregeln, Aufgabenverteilung, Reihenfolge im Team.
Und während der Check im Freizeittauchen meist an Land passiert, findet er im technischen Bereich direkt an der Wasseroberfläche unmittelbar vor dem Abtauchen statt.
Der erste Blick unter Wasser
Ganz gleich, ob Freizeit- oder technisches Tauchen: Der erste Moment unter Wasser ist noch einmal eine Gelegenheit für einen stillen Check. Im Sporttauchen reicht oft ein kurzer Blickkontakt: alles okay, keine Blasen an Stellen, wo sie nicht hingehören.
Im technischen Bereich ist das ritualisiert: Zuerst der Bubble Check – jede:r dreht sich langsam um die eigene Achse, während die Buddies prüfen, ob irgendwo Gas austritt. Danach kommt oft noch der S-Drill: das kontrollierte Ausprobieren der Gasabgabe über die Longhose. Diese Routinen sichern, dass das Team wirklich einsatzbereit ist, bevor es in die Tiefe geht.
Fazit
Der Buddy Check kann nerven, und er wird gerne übersprungen. Aber er ist kein lästiges Ritual, sondern das Sicherheitsnetz für einen entspannten Tauchgang. Wer ihn kurz, klar und ohne unnötiges Gefummel durchführt, spart Zeit, vermeidet Stress und erhöht die Sicherheit massiv.
Und wenn daraus echte Routine wird – so selbstverständlich wie Maske aufsetzen oder Flossen anziehen – dann ist er nicht mehr Ballast, sondern ein kleiner Moment der Ruhe, bevor das Abenteuer beginnt.