PUNKFISH DIVE ANALYSER
Deine Tauchgänge unter die Lupe nehmen
Wie tief warst du, wie lange, und vor allem: Wie war dein Aufstieg?
Mit diesem Tool kannst du deinen Tauchgang und deine Dekompression genau anschauen. Du bekommst dein Tauchgangspofil, eine Balkengrafik mit der Sättigung der 16 Modellgewebe und eine Auswertung, und kannst es dir als pdf drucken.
Datenexport aus Subsurface
Im Moment können wir Daten nur im subsurface Format ssrf oder xml einlesen. Du musst also auf deinem Rechner subsurface installiert haben, und deine Tauchgänge vom Computer dort hochladen.
Um ein Profil zu speichern, gehst du auf File – Export, und nimmst dort einfach das voreingestellte Subsurface-Format. Dann speicherst du dein Profil an einem Ort, an dem du es wiederfindest, und schon kannst du es hier ins Tool legen und analysieren.
Wenn du subsurface schon nutzt, um deine Tauchprofile auszuwerten, wird dir unser Tool wahrscheinlich nicht viel Neues liefern. Aber wenn du gerne einen einfachen Überblick über deine Tauchgänge und ihr Risiko bekommen möchtest, dann findest du hier ein paar Hinweise zur Auswertung.
Der Punkfish Dive Analyser
Das Tool ist fast selbsterklärend. Du lädtst einen Tauchgang hoch, und dir wird direkt eine komplette Analyse angezeigt.
Dabei erscheint ganz oben das Profil deines Tauchgangs mit ein paar Eckdaten. Der Kern des Auswertungstools erscheint direkt darunter: Eine Balkengrafik, in der die Gewebesättigung angezeigt wird. Sie steht nach dem Hochladen erst mal auf der Position am Ende des Tauchgangs bei Erreichen der Oberfläche. Von dort aus kannst du den Schieber zurückbewegen und die Gewebesättigung durch den gesamten Tauchgang verfolgen.
Jeder Balken stellt ein Gewebe dar, darunter ist jeweils die Halbwertszeit angegeben. Der „Füllstand“ ist der Inertgasdruck im Gewebe, ptissue, in bar.
Wir starten den Tauchgang also nicht bei Null, sondern alle Gewebe sind im Druckausgleich mit der Umgebung. Der Inertgasdruck im Gewebe ist dann bei knapp 0,75 bar – etwas weniger als die 0,79 bar in der Atemluft. Das liegt daran, dass die eingeatmete Luft in der Lunge mit Wasserdampf gesättigt ist und zusätzlich Sauerstoff verbraucht sowie CO₂ abgegeben wird. Es spielen also mehr Gase mit als nur die im Atemgas. Dadurch steht für Stickstoff weniger Partialdruck zur Verfügung als in trockener Luft.
Wenn der Umgebungsdruck steigt, erhöht sich auch der Inertgasdruck in den Geweben, in ganz unterschiedlicher Geschwindigkeit entsprechend ihrer Halbwertszeit. Wir sehen die Sättigung in bar, und zusätzlich zwei Linien: Den M-Wert, den jedes Gewebe an der Oberfläche hätte, in rot; und den aktuellen Umgebungsdruck in blau.
Während ein Gewebe sättigt, wird es erst einmal in Blau angezeigt. Wenn der Inertgasdruck im Gewebe so hoch wird, dass bei einem direkten „Beamen“ an die Oberfläche der M-Wert überschritten würde, färbt es sich rot. Das ist das Zeichen dafür, dass es sich ab jetzt nicht mehr um einen Nullzeittauchgang handelt. Dieses Gewebe muss beim Aufstieg wieder so weit entsättigen, dass der M-Wert am Ende des Tauchgangs nicht überschritten wird.
Zwei weitere Farben zeigen die Entsättigung an. Wenn der Inertgasdruck im Gewebe höher ist als im Atemgas, findet eine sanfte Entsättigung statt, das Gewebe ist grün. Wenn er höher ist als der Umgebungsdruck, ist das Gewebe übersättigt und färbt sich orange. Natürlich müssen Gewebe übersättigt sein, um effizient zu entsättigen – zum Ende des Tauchgangs hin werden daher immer mehr Gewebe orange.
Um genau zu sehen, welche Werte in jedem Gewebe zu jedem einzelnen Zeitpunkt eine Rolle spielen, kann man mit der Maus über die Balken fahren, und es öffnet sich jeweils ein kleines Infofenster. Dort kann man nicht nur den Inertgasdruck im Gewebe und im Atemgas sowie den Umgebungsdruck als exakte Zahl sehen, sondern auch den M-Wert des Gewebes in dieser Tiefe, den an der Oberfläche, den aktuellen GF und den Oberflächen-GF in diesem Moment. Damit lässt sich der Zustand jedes einzelnen Gewebes zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen.
Darunter werden relevante Eckdaten aus dem Tauchgang angezeigt, und dazu ein paar Hinweise darauf, was diese Werte aussagen. Eine genauere Erklärung dazu folgt weiter unten auf der Seite – jetzt aber erst mal ins Tool.
Gradientenfaktoren und führende Gewebe am Ende des Tauchgangs
In unserer Auswertung zeigen wir als erstes die Zahl, die man aus guten Gründen als relevantestes Maß der Belastung nach einem Tauchgang ansehen kann: Der GF bei Erreichen der Oberfläche. Je höher der ist, umso höher ist die Übersättigung, umso höher auch das Risiko, dass es zu DCS-Symptomen kommt – so weit, so logisch.
Wo genau man die Grenze ziehen möchte, ist dabei nicht so klar. 100% gelten heutzutage wirklich als zu riskant. DCS tritt meistens nach Tauchgängen auf, bei denen alle Regeln beachtet wurden und die mit GF zwischen 70 und 90 enden – also gar nicht so hoch, dass man das automatisch für riskant halten würde.
Es ist aber nicht nur der Gradientenfaktor, der eine Rolle spielt, sondern auch die Frage, welches (oder besser: welche) Gewebe die höchste Übersättigung erreichen. Bei untersuchten DCS-Fällen spielen die mittleren Gewebe mit HWZ von 27min und 38,3 min eine relevante Rolle. Hier scheinen sich „undeserved hits“ bei eigentlich moderater Übersättigung leicht zu häufen.
Genaueres dazu findet sich in dem verlinkten Blogbeitrag, die Daten stammen aus einer Auswertung von 320 DCS Fällen aus der DAN Datenbank von Cialoni et al. 2017.
Wo genau man für sich die Grenze ziehen möchte, hängt von der eigenen Risikobereitschaft ab, und davon, wie man die bekannten Daten einschätzt. Wenn am Ende des Tauchgangs mehrere mittlere Gewebe stark übersättigt sind, deutet das auf ein höheres Risiko hin, als wenn nur ein schnelleres Gewebe eine kurze Spitze erreicht oder alle am Ende bis in einen „sicheren“ Bereich hinein entsättigt sind.
Welche GFs sind die Besten?
Ein kurzer Überblick darüber, was Gradientenfaktoren sind – und ein paar Hilfestellungen zu der Frage, wie man sie am besten einstellt.
Was kann uns der Aufstieg erzählen?
Die Übersättigung an der Oberfläche ist das Ergebnis davon, wie lange man wie tief war – aber vor allem davon, wie man den Aufstieg gestaltet hat. Egal ob Nullzeittauchgang oder Deko: Auf den letzten Metern vor Erreichen der Oberfläche entsättigen die relevanten Gewebe, und es finden die größten relativen Druckveränderungen statt. Das könnte Einfluß auf das haben, was wir gerne kontrollieren wollen, nämlich die Entwicklung von Gasblasen.
Auch wenn wenig darüber bekannt ist, wie genau sich unter Wasser Blasen entwickeln, kann man ein paar Werte anschauen, die zeigen, wie sanft oder aggressiv man den Aufstieg gestaltet hat. Dafür werfen wir den Blick auf die letzten 10 Meter.
Als Faustregel haben sicher einige schon mal etwas wie „mindestens 5 Minuten für die letzten 10 Meter“, „ab 6m nur noch mit 1m/min aufsteigen“ oder ähnliches gehört. Das sind alles gute Merksätze, die dazu beitragen, die letzten Meter einfach sanft zu gestalten.
Wir zeigen als wichtigstes Merkmal, wie sich der Oberflächen – GF von 10m Tiefe bis an die Oberfläche verändert hat. Wer dort etwas Zeit verbringt, kann hier genau sehen, welchen Unterschied auch schon wenige Minuten machen. Wir unterteilen das in tiefer und flacher als 5m, um den Blick daauf zu ermöglichen, was um den „Sicherheitsstopp“ herum passiert.
Dabei sind die letzen 5 Meter fast die wichtigsten. Hier sollte man wirklich nicht nach dem Sicherheitsstopp einfach hochschießen, sondern sich ein wenig Zeit lassen. Deshalb zeigen wir auch noch, wie groß denn die Aufstiegsgeschwindigkeit auf den allerletzen Metern war. Aus 5m mit 9m/min oder noch schneller hoch wäre hier zu viel – ob es wirklich 1m/min sein muss, weiß niemand so genau, aber man kann eine niedrige Geschwindigkeit hier als eine gute Idee verstehen.
Wie sich der GF bei Aufstieg entwickelt
Während des Aufstiegs wird irgendwann der Punkt erreicht, an dem das erste Gewebe übersättigt ist. Von dort bis zur Übersättigung an der Oberfläche wird dieser „GF aktuell“ (bei Shearwater GF99) bei einem kontinuierlichen Aufstieg immer größer. Dabei bleibt das Gewebe aber nicht das gleiche: Während eines der schnellen Gewebe anfangs die höchste Übersättigung erreicht, kommen im weiteren Aufstieg die nächstöangsameren Gewebe ins Spiel. Die schnelleren haben dann ja schon etwas entsättigt…
Du kannst an der Kurve sehen, wie hoch der maximale aktuelle GF zu jedem Zeitpunkt des Aufstiegs ist, und das Tooltip zeigt dir auch, welches Gewebe gerade führend ist.
Sobald du Dekostopps einlegst, kannst du sehen, wie der GF beim Verweilen auf einer Tiefe sinkt, und beim nächsten Aufstieg wieder steigt. Und du kannst sehen, welchen Effekt Dekogase dabei haben können.
