Passfahrten nach dem Tauchen
Ab nach Hause: Wie hoch sollte man nach dem Tauchen fahren?
Eine weitere Frage, die sich in Zusammenhang mit Tauchen in der Höhe häufig stellt, ist die Gegend um den Bergsee herum. Nicht selten muss man nach dem Tauchgang noch etwas höher, über einen Pass, um wieder nach Hause zu kommen. Ab wann kann das ein zusätzliches Risiko darstellen?
Sehr oft wird ein weiterer Aufstieg nach dem Tauchen als großes Risiko gesehen, in etwa so, als würde man direkt in ein Flugzeug steigen. Ein nachweisbares Risiko lässt sich aber nicht belegen, und wenn man überlegt, von welchen Druckunterschieden die Rede ist, erscheint ein kleiner weiterer Anstieg doch recht unproblematisch. Wenn man von 1000m noch mal über 1500m muss, um dann ins Tal zu fahren, nimmt man eine weitere Druckdifferenz von ca. 0,05 bar in Kauf. Das wären unter Wasser gerade mal 50cm zusätzliche Wassersäule, eine Druckdifferenz, die durchaus auch als Messungenauigkeit auftreten kann. Und: Die Spanne, in der eine Tabelle bzw. eine Einstellung am Computer gilt, deckt z.B. 700 bis 1500m Höhe ab. Wenn es egal ist, ob ich auf 800 oder auf 1500m tauche, warum sollte es dann so kritisch sein, die Höhe nach dem Tauchgang zu verändern?
Übersättigung in zunehmender Höhe
Wir haben schon gesehen, dass der Druck mit zunehmender Höhe abnmmt – aber langsam. 1000m entsprechen einem Meter Wassersäule – das klingt erst mal nicht spektakulär. Ist es auch nicht, aber die tolerierte Übersättigung wird mit abnehmendem Druck ja auch immer geringer. Jede zusätzliche Druckreduktion hat deshalb schon einen Effekt.
Die Grafik zeigt die Gewebeübersättigung nach einem Tauchgang, der mit einem GF von 50 geendet hat – ein normaler, sanfter Tauchgang. Die schwarzen Balken markieren, wo der GF auf Meereshöhe noch gelegen hat, die Balken zeigen dann den GF, nachdem man sich auf 700m gebeamt hat. Unrealistisch, ja – aber es kann verdeutlichen, welche Auswirkungen die Höhenänderung hat. Und man sieht: Sie ist nicht dramatisch, aber groß genug, dass man vielleicht einen etwas größeren Abstand zu den Grenzen halten möchte, wenn an weiß, dass es direkt nach dem Tauchen noch nach oben geht.
Um das genauer anzuschauen, haben wir ein eigenes kleines Tool: Einen Höhen-Simulator. Er ist Teil von unserem Dive Analyser, du kannst hier an realen Tauchprofilen anschauen, was während des Tauchgangs passiert ist – und simulieren, was mit der Gewebesättigung passiert, wenn du mit oder ohne Pause auf bis zu 3000m aufsteigst.
Mehr als nur das Modell
Ganz sicher sind kleine Höhendifferenzen nichts, was alleine große Probleme bereiten kann. Egal, ob man nach einem Tauchgang im Bergsee noch über die Passtraße muss, oder ob man auf einer steilen Insel wie La Palma (oder auch Bali) nach dem Tauchen noch einige Meter Höhe überwindet – der Effekt ist nicht dramatisch. Man sollte ihn kennen, die Tauchgänge entsprechend vorsichtig gestalten, und im Zweifel auf Meereshöhe noch einen Kaffee trinken, aber unsere Dekomodelle kennen auch Höhe.
Dennoch sollten wir zwei Faktoren, die über die reine Übersättigung hinausgehen, nicht ganz aus den Augen verlieren:
Blasen entwickeln sich nach dem Tauchgang weiter, mehr sogar als unter Wasser. Die meisten Blasen lassen sich 30-45 Minuten nach dem Tauchgang messen, erst danach werden es langsam weniger. Wenn man gerade dann, wenn sich die meisten Blasen entwickeln, den Druck noch weiter reduziert, könnte das theoretisch „das Fass zum Überlaufen bringen“. Wenn man eh kurz vor einer DCS war, könnte die Fahrt nach oben noch dieses kleine zusätzliche Blasenwachstum provozieren, das endgültig dazu führt, dass die Grenze zum Unfall überschritten wird.
DCS-Symptome treten meistens erst nach dem Tauchgang auf, sehr häufig in der ersten Stunde. Wenn man da gerade bergauf fährt, wird die Sache auf keinen Fall dadurch besser – aber plötzlich steht dann auch die Fahrt in Verdacht, die DCS verursacht zu haben. Diese Verunsicherung kann man vermeiden: Wenn man Bedenken hat, ob alles gut gegangen ist, spricht nichts gegen eine Pause auf Meereshöhe.
Tauchbasis auf 700m, Tauchen im Meer?
Als Punkfische haben wir natürlich an dem Thema Altitude Diving ein ganz eigenes Interesse. Zwar tauchen wir im Meer – aber unsere Basis und unsere Wohnungen sind oben in Fuencaliente, auf 700m. Und wir sind alle nicht besonders risikofreudig – ganz im Gegenteil: sichere Tauchgänge zu organisieren ist uns extrem wichtig.
Das widerspricht sich nicht. Unsere Landtauchgänge haben so sanfte Profile, dass die kleine Höhendifferenz nach dem zusammenpacken wirklich kein Problem mehr ist – und wir wissen, nach welchen Tauchgängen wir dann doch lieber noch unten irgendwo einkehren.
Mahr dazu findest du in einem Blogartikel.