Sauerstoffsysteme und Sauerstoffgabe
Unterschiedliche O2 Systeme
Es gibt verschiedene Sauerstoffsysteme, und sie liefern sehr unterschiedlich viel Sauerstoff. Für uns zählt nur ein Ziel: eine möglichst hohe Konzentration. Hier die Systeme, die du in Tauchbasen und Notfallkoffern am häufigsten findest.
1. Constant Flow mit einfacher Maske
Der Sauerstoff strömt die ganze Zeit, und mit jedem Atemzug kommt Umgebungsluft dazu. Das ist prima für jemanden, der einfach etwas mehr Sauerstoff braucht – für uns aber zu wenig: Bei der Person kommen oft nur um die 35 % Sauerstoff an. Nicht die Maske der ersten Wahl.
2. Constant Flow mit Reservoirbeutel
Ein kleiner Beutel füllt sich mit Sauerstoff, man atmet aus dem Beutel ein und über ein Ventil aus. Damit erreicht man Konzentrationen um die 90 %. Diese Masken haben sehr viele Tauchbasen in ihren Koffern.
- Einstellung: 15 Liter pro Minute. Wir atmen in Ruhe etwa 6–9 Liter pro Minute, aufgeregt deutlich mehr – und das muss vollständig angeboten werden.
- Lass dir die Einstellung nicht auf 2–3 Liter herunterdrehen, weil das bei anderen Notfällen üblich ist.
- Auch für Personen, die nur schwach atmen, ist dieses System gut geeignet.
3. Demand-Ventil
Ein Demand-Ventil funktioniert wie ein Atemregler: Sauerstoff kommt nur beim Einatmen, ausgeatmet wird nach außen. So atmet die Person fast reinen Sauerstoff, und es wird nur so viel verbraucht, wie sie tatsächlich atmet.
- Die effizienteste Variante – die höchste Konzentration, sparsam im Verbrauch.
- Nur bei normal atmenden Patienten. Wer nur noch schwach atmet, ist mit der Reservoirmaske besser versorgt.
- Ein normaler Atemregler auf einer Sauerstoffflasche erfüllt denselben Zweck. Dann aber die Nase verschließen – sonst atmet man unbemerkt Luft mit ein: Nase zuhalten (am schonendsten), eine Nasenklammer vom Freediving oder notfalls eine nicht zu stramme Wäscheklammer.
- Eine Maske, die auch die Nase einschließt und gut abdichtet, löst das Problem von selbst.
4. Wenoll-System
Eine Art Rebreather für Sauerstoff: Ausgeatmet wird in einen Atembeutel, der Atemkalk filtert das CO₂ heraus, und es wird nur so viel Sauerstoff nachgegeben, wie der Körper verbraucht.
- Der Körper verbraucht in Ruhe deutlich weniger als einen Liter Sauerstoff pro Minute – statt 15 Liter Durchfluss. Geringe Mengen reichen so sehr lange, auch für mehrere Personen.
- Etwas komplizierter in der Handhabung: Man muss es geübt haben und wissen, wo was angeschlossen wird.
- Teuer in der Anschaffung – aber in abgelegenen Gegenden ohne Nachschub sehr wertvoll.
5. Kreislaufgerät (CCR)
Jedes Kreislaufgerät funktioniert im Prinzip wie ein Wenoll-System: CO₂ wird gefiltert, Sauerstoff zugegeben. Speist man nur Sauerstoff ein, liefert es praktisch unbegrenzt fast reinen Sauerstoff (ganz 100 % erreicht man nicht). Voraussetzung: Man kann das Gerät bedienen. Ein Grund, sich einen Rebreather für die Erste Hilfe zu kaufen, ist das nicht – aber ein nettes Zusatzargument.
Vom Koffer zur Sauerstoffgabe
Ein Sauerstoffkoffer hilft erst dann, wenn sein Inhalt zusammenpasst und einsatzbereit ist. Schau dir euren Koffer deshalb in Ruhe an: Welche Anschlüsse gibt es? Welche Maske gehört wohin? Ist der Druckminderer schon montiert? Brauchst du zum Öffnen einen Schlüssel, und liegt der auch dabei?
Die genaue Montage richtet sich nach eurem Gerät. Der grundlegende Ablauf ist bei vielen Systemen ähnlich.
1. Einen sicheren Platz schaffen
Sichere die Flasche gegen Umfallen und Wegrollen. Halte Zigaretten, offene Flammen, Öl und Fett fern. Sauerstoff brennt selbst nicht, kann einen Brand aber erheblich verstärken.
Arbeite mit sauberen Händen und sauberen Anschlüssen. Verwende keine Schmiermittel und keine improvisierten Adapter.
2. Flasche und Druckminderer verbinden
Der Druckminderer reduziert den hohen Flaschendruck auf den Arbeitsdruck des Systems. Wenn er noch nicht montiert ist, prüfst du zuerst, ob Anschluss und vorgeschriebene Dichtung passen und unbeschädigt sind.
Montiere ihn nach Herstelleranleitung. Manche Anschlüsse werden von Hand befestigt, andere benötigen ein vorgesehenes Werkzeug. Mit zusätzlicher Kraft lässt sich ein falscher Anschluss nicht richtig machen.
Ist der Druckminderer bereits montiert, musst du ihn nicht für jeden Einsatz wieder abschrauben.
3. Den richtigen Ausgang verwenden
Bei einem Multifunktionsdruckminderer können unterschiedliche Ausgänge vorhanden sein:
Constant Flow: Hier wird der dünne Sauerstoffschlauch für eine Maske mit Reservoirbeutel angeschlossen. Die Menge stellst du am Durchflussregler ein.
Demand: Das Demandventil wird über den dafür vorgesehenen Druckschlauch und Anschluss versorgt. Es liefert Sauerstoff beim Einatmen. Die Liter-pro-Minute-Einstellung des Constant-Flow-Ausgangs regelt diesen Anschluss nicht.
Das ist ein guter Punkt für einen Blick in euren Koffer: Kannst du die beiden Anschlüsse sicher unterscheiden?
4. Langsam öffnen und prüfen
Öffne das Flaschenventil langsam entsprechend der Geräteanleitung. Kontrolliere den Flaschendruck und achte auf ungewöhnliches Zischen oder andere Hinweise auf Undichtigkeiten.
Eine unter Druck stehende Verbindung wird nicht gelöst. Wenn etwas nicht dicht ist, schließt du die Flasche und machst das System nach Anleitung drucklos, bevor du den Anschluss kontrollierst.
5. Die Reservoirmaske vorbereiten
Schließe den Schlauch an den Constant-Flow-Ausgang und die Maske an. Für die hier beschriebene Non-Rebreather-Maske beginnen wir mit 15 Litern pro Minute; beachte zusätzlich die Vorgaben eures Modells.
Lass den Reservoirbeutel füllen, bevor du die Maske aufsetzt. Erkläre der Person kurz, was du tust, und frage nach ihrem Einverständnis. Setze die Maske so auf, dass sie Mund und Nase gut umschließt.
Beobachte den Beutel beim Atmen: Er darf beim Einatmen nicht vollständig zusammenfallen. Tut er das, prüfst du Durchfluss, Flaschendruck und Schlauch auf Fehler oder Knicke. Je nach Atembedarf und Gerät muss der Durchfluss erhöht werden.
Eine Maske auf dem Gesicht ist noch kein Beweis dafür, dass ausreichend Sauerstoff ankommt.
6. Das Demandventil vorbereiten
Verbinde Demandventil, Druckschlauch und passende Maske nach Geräteanleitung. Prüfe die Funktion so, wie es für euer Modell vorgesehen ist.
Die Person muss das Ventil durch ihre eigene Einatmung auslösen können. Achte auf einen guten Maskensitz und darauf, ob sie entspannt darüber atmen kann.
Wenn das Auslösen zu anstrengend ist, kann die Reservoirmaske geeigneter sein. Wird die Atmung insgesamt unzureichend, reicht ein Wechsel der Sauerstoffmaske nicht aus.
7. Bei der Person bleiben
Beobachte Atmung, Ansprechbarkeit und Verträglichkeit der Maske. Kontrolliere auch weiterhin den Sauerstoffvorrat.
Bei Übelkeit oder Erbrechen muss die Maske schnell entfernt werden können. Genau deshalb sind medizinische Masken durchsichtig: Du kannst erkennen, was sich darunter verändert.
Wenn die Person bewusstlos wird oder nicht mehr normal atmet, stehen die entsprechenden Erste-Hilfe- und Wiederbelebungsmaßnahmen im Vordergrund. Eine Reservoirmaske und ein reines Demandventil übernehmen keine Beatmung.
Jetzt bist du dran
Im Spiel bringst du den Sauerstoff aus dem Koffer zur Person. Danach lohnt sich derselbe Ablauf mit eurem echten System: Anschlüsse finden, zusammenbauen, Funktion prüfen und wieder einsatzbereit machen.
Das Spiel hilft dir, die Reihenfolge zu verstehen. Die Handgriffe lernst und übst du am Gerät.
Wie mache ich den O2 einsatzbereit?
Probiere in einem kleinen Spiel aus, wie man den Sauerstoff aus dem Koffer an den Patienten bringt.

Wie lange reicht die Flasche?
Eine volle Flasche kann schneller leer sein, als man denkt. Für Constant Flow lässt sich die ungefähre Reichweite leicht überschlagen:
Flaschenvolumen in Litern × Druck in bar ÷ Durchfluss in Litern pro Minute
Eine 2-Liter-Flasche mit 200 bar enthält näherungsweise 400 Liter Sauerstoff. Bei 15 Litern pro Minute sind das theoretisch knapp 27 Minuten. Praktisch planst du weniger ein: Nicht der gesamte Inhalt ist nutzbar, und eine Reserve gehört dazu.
Beim Demandventil hängt der Verbrauch von der Atmung der Person und möglichen Undichtigkeiten ab. Die Reichweite ist deshalb keine feste Zahl.
Für eure Planung zählt die Zeit bis zur gesicherten weiteren Sauerstoffversorgung. Wie weit ist der Tauchplatz entfernt? Wie lange dauert die Rückfahrt? Was passiert, wenn zwei Personen Sauerstoff brauchen?
Klärt vorher, wo zusätzlicher Sauerstoff verfügbar ist. Wenn der Vorrat im Einsatz knapp wird, organisiert frühzeitig Nachschub und stimmt das weitere Vorgehen mit dem Rettungsdienst oder der tauchmedizinischen Hotline ab.
Wieder bereit für den nächsten Einsatz
Nach der Übergabe ist der Koffer noch nicht wieder einsatzbereit.
Schließe die Flasche und mache das System nach Geräteanleitung drucklos. Ersetze benutztes Einmalmaterial und bereite wiederverwendbare Teile nach Herstellervorgaben auf. Lass die Flasche nachfüllen, kontrolliere die Funktion und ergänze fehlendes Material.
Legt im Team fest, wer das übernimmt. Ein kurzer Eintrag mit Datum und Name verhindert, dass alle davon ausgehen, jemand anderes habe sich schon gekümmert.
Vor der nächsten Ausfahrt kontrolliert ihr Vorrat, Vollständigkeit und Funktion erneut.
Lieber ein paar Mal zu früh als einmal zu spät
Je früher jemand nach einem Tauchunfall Sauerstoff bekommt, desto wahrscheinlicher wird ein milder Verlauf. Ganz am Anfang, kurz nach dem Auftauchen, bilden sich die Blasen gerade erst. Wenn wir da eingreifen, können wir die ganze Kaskade unterbrechen. Je länger man wartet, desto schlechter kann der Sauerstoff wirken.
Trotzdem wird die Sauerstoffgabe oft verzögert. Die Gründe:
- Stigma: Wer nach dem Tauchen ein Problem hat, wird gerne erst einmal gefragt, was er falsch gemacht hat – zu wenig getrunken? Zu tief? Dabei hat die Person oft überhaupt nichts falsch gemacht. Weil aber immer nach Fehlern gesucht wird, trauen sich viele nicht zu sagen, dass etwas nicht stimmt.
- Verdrängung: Niemand gibt gern zu, dass gerade etwas nicht in Ordnung ist – schon gar nicht nach einem schönen Tauchgang.
- Ruf des Dive Centers oder Instructors: „Kann gar nicht sein, wir hatten zwei ganz normale Tauchgänge mit sauberen Profilen.“ Das ist einfach falsch. Auch wenn alles richtig gemacht wurde, kann etwas passieren – genau deshalb haben wir Sauerstoff dabei.
Wenn du dir die Frage stellst, ob jetzt der Moment ist, den Sauerstoff zu holen: Hol ihn.
- Man kann damit keinen Schaden anrichten.
- Wenn es doch keine DCS war, ist alles gut.
- Beobachten, was während der Sauerstoffatmung passiert, kann helfen, Zweifel zu klären – zum Beispiel, wenn Hautflecken sichtbar zurückgehen. „Kann helfen“ heißt aber nicht „klärt“: In einer halben Stunde Sauerstoff vergeht auch eine halbe Stunde, in der Beschwerden von allein nachlassen können. Besprich das weitere Vorgehen mit der Hotline – auch wenn die Symptome verschwunden sind.
Fall Trainer: Sauerstoff geben
Du kennst die Systeme und weißt, wie du sie vorbereitest. Im Falltrainer geht es darum, dieses Wissen in unterschiedlichen Situationen anzuwenden: Sauerstoff geben oder erst weitere Informationen einholen? Welche Maske passt? Und was verändert deine Entscheidung?
Du bekommst zu den Entscheidungen eine Erklärung. Nimm dir auch die Fälle vor, bei denen du zunächst unsicher bist – genau dafür sind sie da.
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